Arbeitsgemeinschaft Elternbeiräte an Gymnasien im Regierungsbezirk Stuttgart

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ARGE fordert ein Jahr Denkpause für Umstellung des Abitur-Versands

Stuttgart: Die Meinung der Elternvertreter an den Gymnasien des Landes ist eindeutig: Dümmer geht’s immer! Aufgebracht sind die Eltern durch den Plan des Kultusministeriums, die Abituraufgaben elektronisch am Morgen vor dem Abitur zu verschicken und diese dann in den Schulen ausdrucken zu lassen.

Offensichtlich im Gegensatz zum Kultusministerium – rechnete der ARGE-Vorstand mal durch, was das beim Abitur 2019 bedeuten würde: Etwa 450 Gymnasien mit ungefähr 50.000 Abiturienten im Land müssen in drei Fächern (Deutsch, Mathematik, Englisch oder Französisch) durchschnittlich 5 DIN A4 Blätter ausdrucken, sortieren und zusammenheften. Das sind rund 750 000 DIN A4 Blätter, durchschnittlich knapp 1.700 pro Schule, die ab frühestens sechs Uhr morgens ausgedruckt werden müssen. Inzwischen ist wohl auch dem Kultusministerium die Größe der Aufgabe aufgefallen: Der Beginn der Prüfungen wurde um eine Stunde verschoben, damit für das Drucken der Aufgaben mehr Zeit bleibt.

Die ARGE Stuttgart hat erstaunt eine Meldung der GEW zur Kenntnis genommen, dass offensichtlich vor der Verkündung des neuen Verfahrens die Beteiligung des Hauptpersonalrats für Gymnasien nicht stattgefunden hat. Verwundert sei man in Kenntnis dieses Vorgehens allerdings nicht mehr über die von Sachkenntnis der Umstände vor Ort weitgehend befreite Verfahrensweise. Den Schulen traue man aufgrund von zwei Vorkommnissen in den letzten Jahren nicht mehr zu, die Abituraufgaben sicher unterzubringen. Zugetraut dagegen werde ihnen, im Durchschnitt 1.700 Seiten Papier mit den nicht vorhandenen technischen Voraussetzungen und ungeachtet der Anfälligkeit der Schulkopierer in wenigen Stunden zu drucken. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat inzwischen zugesichert, die Papierkosten würden den Gymnasien erstattet. Für die finanzielle Ausstattung der Schulen sind allerdings die kommunalen Schulträger zuständig. Ob das Geld von denen dann tatsächlich in den Schulen landet ist ungewiss. Seinerzeit hatte das Regierungspräsidium auch zugesichert, man werde die Mehrkosten des neuen Bildungsplanes als zusätzliche Mittel den Schulen zur Verfügung stellen. Auf eine entsprechende Erhöhung der Budgets warten die Schulen bis heute. 

Der Philologenverband forderte, das Verfahren der elektronischen Versendung der Abituraufgaben mindestens für ein Jahr auszusetzen. In der Zwischenzeit könne man die nötigen Mindestvoraussetzungen für die Schulen erfüllen. Diese Mindestvoraussetzung existiere an den wenigsten Gymnasien im Land: Ein entsprechend leistungsfähiger Drucker mit mindestens einer Druckleistung von 30 Seiten pro Minute und Heft-Funktion. Angesichts der Anfälligkeit der Kopierer müsse ein Ersatz-Gerät zur Verfügung stehen. Auch die Gefahr von Fehldrucken oder Fehlern bei der Zusammenstellung führe fast zwangsläufig am Morgen des Abiturs. zu einer „Nervenschlacht an den Schulen“

Die GEW fand nur wenig Gefallen an dem Plan aus dem Kultusministerium: Nur weil es im letzten Jahr an einer Schule zu einem Einbruch kam, wodurch die Abituraufgaben frühzeitig bekannt wurden, ändere man nun die Vorgehensweise und riskiere die Gefahr eines Abitur-Chaos. Konkret nannte der GEW als Risikofaktoren die Funktionsfähigkeit eines oder auch zweier Kopierer, das Fehlen der vorgeschriebenen Papierfarben, Fehldrucke und falsche Zusammenstellungen der Aufgaben. Und dabei ging die Gewerkschaft wohlwollend davon aus, dass das Kultusministerium an jeder Schule die vorhandenen Kopierkapazitäten überprüfe.

Weitere Problemfelder zählte die GEW für Mathematik auf, wo die Lehrkräfte am Morgen des Abiturs die Aufgaben nach sechs Uhr auswählen müssten. Kaum abzusehen sei die Masse an Aufgaben, die erst einmal gedruckt und dann doch nicht verwendet würden. Die Verschiebung der Abitur-Anfangszeit um eine Stunde und der dafür nötige Vertretungsbedarf führe dazu, dass auch am Nachmittag Unterricht ausfalle. Alles in allem kommt die GEW zu dem Schluss, dass dieses Verfahren nicht akzeptabel sei.

Die Elternvertreter der ARGE Stuttgart verwahren sich gegen den erneuten Versuch, Lehrer und Schüler zu Versuchskaninchen für unausgegorene Pläne des Kultusministeriums zu machen. Die Umstellung müsse mindestens ein Jahr ausgesetzt werden, um wenigstens die Funktionstüchtigkeit in den Schulen sicherzustellen. Das vorgeschlagene Verfahren ordne sich nahtlos ein in die Reihe von Pleiten, Pech und Pannen aus Unterrichtsausfall, Umschulung von Gymnasiallehrern zu Grundschullehrern, Versagen bei der Umsetzung von Lernmittelfreiheit, fehlenden Mitteln bei der Umsetzung des neuen Bildungsplanes und der Verweigerung von kurzfristig wirkenden Maßnahmen zur Sicherung des „normalen“ Unterrichts an den Gymnasien. 

Die ausführliche Stellungnahme des Philologenverbandes:    

https://www.phv-bw.de/joomla/presse-info/pressearchiv/207-2019/1932-umstellung-bei-der-verteilung-der-abituraufgaben-mindestens-um-ein-jahr-zu-verschieben-zunaechst-voraussetzungen-an-allen-schulen-schaffen

Die Stellungnahme der GEW:

https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schulleiter-sollen-abi-aufgaben-selbst-ausdrucken/